Große Flächen sollten flexibel nutzbar sein, erklärt die Architektin Lina Streeruwitz (rechts) das Konzept im Nordbahnviertel. Neben ihr: Quartiersmanagerin Andrea Mann.
Nordbahnviertel: „In zehn Jahren ist hier alles voll.“
Warum bleiben im Nordbahnviertel so viele Erdgeschoßflächen leer? Und was kann man dagegen tun? Bei einer Podiumsdiskussion in der Hauswirtschaft diskutierten Planerin Lina Streeruwitz, Quartiersmanagerin Andrea Mann und Starbike-Betreiber Michael Knoll über diese Fragen.

Die Erwartungen waren groß. Das Nordbahnviertel, jung, wachsend, dicht besiedelt, gilt als eines der Wiener Stadtentwicklungsgebiete, an denen sich die Zukunft urbanen Lebens ablesen lässt. Doch wer heute durch die Bruno-Marek-Allee spaziert, sieht zwischen Neubauten und frisch angelegten Wegen auch etwas anderes: viele geschlossene Türen: Leerstand dort, wo Erdgeschoßzonen eigentlich das öffentliche Leben tragen sollen.

Voller Saal, interessiertes Publikum

Am Mittwoch, 21. Jänner, luden Sonja Harter vom Podcast „Nord.Post“ und Bernhard Odehnal von Zwischenbrücken zu einer Podiumsdiskussion über genau dieses Problem: über leer stehende Geschäftsflächen im Nordbahnviertel. Titel des Abends, der fast alle Plätze des NordwestbahnSaals der HausWirtschaft füllte: „Lösungen für den Leerstand?“.

Zum Auftakt sprach Architektin und Mitplanerin des Nordbahnviertels Lina Streeruwitz über die Entstehung des Viertels und die Rolle der Erdgeschoßzonen. Geplant waren „Große zusammenhängende Flächen“, so die Architektin. Dahinter stand das Versprechen, dass einer flexiblen Nutzung und lebendigen Erdgeschoßzonen.

Suche nach kleineren Lokalen

In der anschließenden Diskussion wurde klar, wie schwer dieses Versprechen im Alltag einzulösen ist. Neben Streeruwitz diskutierten Andrea Mann vom Quartiersmanagement und Michael Knoll, Betreiber von „Starbike“ sowie Mitgründer des Vereins Einkaufsstraße Bruno-Marek-Allee. Beide verwiesen darauf, dass zusätzliche Krisen die Situation verschärft haben – Corona und Wirtschaftslage wurden mehrfach genannt. Als strukturelles Problem wurde außerdem die Rolle der Nordbahnviertel Service GmbH angesprochen und die damit verbundenen Schwierigkeiten, über die Zwischenbrücken bereits ausführlich berichtet hat.

Podiumsdiskussion über das Nordbahnviertel und den Leerstand.
Auf dem Podium: Sonja Harter, Michael Knoll, Andrea Mann, Lina Streeruwitz, Bernhard Odehnal (v. l. n. r.)

Im Kern, so die Diagnose, gehe es aber um das Risiko. Die großen Flächen werden im Rohbauzustand vermietet. Selbst wenn grundsätzlich Interesse da sei, passe es oft nicht zu den vorhandenen Einheiten. „Interessenten suchen oft kleinere Lokale”, berichtete Andrea Mann. Der Leerstand sei damit nicht nur ein Nachfrageproblem, sondern auch eines der Flächenlogik.

„Ausbau ist für viele nicht machbar“

Michael Knoll betonte, dass es im Viertel längst funktionierende Betriebe gebe: „Das, was da ist, ist super”, findet er. Auch er und sein Betrieb, mit welchem er vor circa sieben Jahren in die Bruno-Marek-Allee gezogen ist, haben von dem Konzept profitiert. Er habe nach einer großen Fläche mit viel Gestaltungsmöglichkeiten gesucht, so Knoll. Doch für andere sei dadurch die Einstiegshürde zu hoch. „Der Ausbau ist sehr aufwendig und finanziell einfach für viele nicht machbar.“

„Das, was da ist, ist super”: Sonja Harter vom Podcast „Nord.Post" und Michael Knoll von „Starbike".

Auf die Frage, ob sie aus heutiger Sicht etwas anderes planen würde, reflektierte Streeruwitz über das Erdgeschossflächen-Konzept und der Option von kleineren Modulen, betonte aber auch, dass die Planung vieles offen lasse. „Wie und in welcher Form die Flächen dann genutzt und vermittelt werden, liegt letztendlich nicht bei uns.”

Andrea Mann resümierte hingegen „Die Idee mit einem flexiblen Konzept ist prinzipiell gut, aber hat in der Praxis nicht funktioniert.“ Dennoch klang bei ihr auch Optimismus durch: „Ich bin aber zuversichtlich, dass es sich füllt.“

Lina Streeruwitz wagte sogar eine Prognose: „In zehn Jahren ist alles voll”, ist sie sich sicher. Hoffnungsvoll zeigte sich auch Michael Knoll: „Aber realistisch bin ich trotzdem”.

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